Interview zu Höcke-Rede in Dresden:

Regional heute hat ein Interview mit dem Vorsitzenden der AfD Wolfsburg geführt.

 

Hier kann man einen Ausschnitt davon lesen:

 

http://regionalwolfsburg.de/hoecke-rede-die-afd-wolfsburg-nimmt-stellung/

 

Zeitgleich hat auf Facebook eine Dame angefragt, wie denn die AfD zu der Höcke-Rede steht.

 

Sehr geehrte Damen und Herren der AfD, wären Sie so freundlich und würden klarstellen ob: - Sie auf dem Boden der Verfassung stehen - sich von Ihrem Vorstandsmitglied Höcke distanzieren - gegen jede Form von Extremismus sind. Vielen Dank und freundliche Grüße, XXX

Hier die Antwort in Schriftform:

 

Guten Tag, Frau XXX.
Vielen Dank für ihre Nachricht.
Zur Beantwortung ihrer Fragen möchte ich gerne stellvertretend Antworten.
Zu 1.) Ja, uneingeschränkt.
Zu 2.) Nein. Ich denke eventuell darüber nach, sobald Frau Claudia Roth sich nicht mehr mit Aktivisten der Antifa zusammentut.
Abgesehen davon versuche ich mich nicht gerne an dieser „Distanzeritis“. Ich begegne Anderen lieber argumentativ statt mit einer roten Karte, Beleidigungen oder einem „Basta“. Das ist mir zu billig.
Meine Argumente:
Es gibt einen Kern in Höckes Rede, den ich unterstütze. Auch ich habe oft genug darauf hingewiesen, dass die Fixierung auf die Schuld wenig Sinnstiftend für die Generationen in der Zukunft ist und die Deutschen zu einer positiv gestimmten Identität kommen müssen.
Der Blick in die Vergangenheit darf die eigene Sicht gerne schärfen, aber er sollte einen nicht Blind machen für eine eigene, positive Zukunft. Wir müssen unseren Kindern die Verantwortung für ihre Zukunft lehren. Natürlich gehört dazu auch die Erinnerung an den Holocaust. Dies wird immer Teil der kollektiven Erinnerung unseres Landes sein. Man sollte aber nicht die Schuld der Vorfahren den nachfolgenden Generationen immer wieder in den Tornister packen.
Ich habe mich wenn ich an Integration denke oft gefragt, ob die Identität, die wir Migranten anbieten können, attraktiv ist. Würde ich mich in eine Gesellschaft integrieren, die so voller Selbstzweifel ist? Wohl kaum. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum Migranten oft in ihrer Kultur verhaftet bleiben, weil es einfach nicht attraktiv ist, die derzeitige Kultur der Deutschen zu adaptieren. Sie ist sehr von Schuld geprägt, sehr von anpassen, nicht stören wollen, nicht auffallen. Wenig selbstbewusst und kaum freudig. Arbeit und Gesetze geben den Rahmen, den die Gemeinschaft nicht mehr gibt. Meiner Meinung nach auch ein Grund dafür, sich in ein großes Europa zu flüchten oder in die Multi-Kultur. Vielleicht steckt da die Hoffnung hinter, ein Stück der eigenen Schuld abzugeben oder das verstörte in unserer Kultur aufgehen zu lassen in einem Kultur-Brei. Man schafft es nicht, die eigenen Grenzen zu schützen, deswegen muss die EU die Grenzen sichern. Wir wollen nicht unsere Armee erhalten, darum rufen wir nach einer EU-Armee. Wir winden uns, die Schere zwischen Arm und Reich zu schließen, darum rufen manche nach einem EU-Sozialsystem. Immer in der Hoffnung, Verantwortung abgeben zu können an eine höhere Instanz. Gleichzeitig nutzen wir dann diese neue Instanz, um unseren Nachbarn vorzuschreiben, wie es laufen soll. Griechenland-Rettung, Einwanderung, da kehren wir dann im Schutz der EU-Mechanismen wieder den Blockwart raus. Schulmeisterlich in der Euro-Rettungspolitik, Überheblich in der Einwanderungspolitik- kein fairer Zug!
Ich kann verstehen, dass unsere Nachbarn in vielen Ländern das nicht wollen.
Soweit also der Kern, den ich bei seiner Rede teile und der durchaus diskussionswürdig ist.
Gleichwohl kann man Teile seiner Rede falsch verstehen, weshalb er ja auch eine Erklärung nachgeschoben hat. Es ist gut, dass er damit klar gestellt hat, wie seine Worte zu verstehen sind. Vielleicht lernt Herr Höcke in Zukunft sich gleich unmissverständlich auszudrücken. Das würde nachträgliche Erklärungen obsolet machen.
Allerdings gibt es auch Teile seiner Rede, die ich nicht in Ordnung finde, die ich kritisieren möchte und denen ich widerspreche:
- zu „wenn wir den Sieg errungen haben“: Es gibt in einer Demokratie keine Sieger und Besiegten. Es ist immer ein Kompromiss, mal entscheidet der Eine, mal der Andere eine Abstimmung für sich. Mal wird der Eine gewählt, mal der Andere. Da kann man nicht von einem Sieg über die Anderen sprechen, der erst dann erreicht ist, wenn man 51% hat. Kein Wunder, dass die Leute diesen Teil überheblich finden. Auch ich fand diese Stelle mehr als befremdlich. Die Demokratie lebt vom Ausgleich, vom Streiten um Positionen und Mehrheiten. Selbst, wenn die AfD irgendwann einmal 51% hätte, hätte die Opposition ein Mitspracherecht und natürlich auch hier und da mal gute Argumente. Darüber erhebt man sich ja nicht, nur weil man 51% hat! Hier liegt Höcke falsch.
- zur „erinnerungspolitischen 180-Grad-Wende“: Wie sollte sowas aussehen? Etwas was heute schlecht ist, ist morgen nicht plötzlich gut und umgekehrt. Sicherlich werden zukünftige Generationen für sich die Geschichte immer wieder neu einordnen und bewerten. Das ist auch völlig okay so. Jede Generation muss für sich feststellen, wie sie mit der Erinnerung und der vorangegangenen Geschichte umgehen will. Es kommen neue Sichtweisen und Erkenntnisse hinzu, durch Forschung wird einiges anders bewertet. Dadurch verändert sich Geschichte laufend (bzw. unsere Wahrnehmung von der Geschichte). Eine 180-Grad-Wende würde aber bedeuten, dass Geschichte völlig umgeschrieben wird. Das kann nicht gewollt sein! Wahrscheinlich wird man irgendwann dem Leid der Deutschen im und nach dem zweiten Weltkrieg mehr Aufmerksamkeit widmen. Das Leid der Millionen Toten des Holocaust darf aber niemals vergessen werden oder in sein Gegenteil verkehrt werden! Es kann nicht sein, dass man irgendwann nur noch der Deutschen Toten gedenkt, sondern es muss allen Opfern gedacht werden. Mit der 180-Grad-Wende lag Herr Höcke falsch!
- die Kritik an der Weizäcker-Rede: Höcke spricht davon, dass die Weizäcker-Rede gegen das eigene Volk gerichtet war. Das habe ich so nie verstanden! Weizäcker versucht 40 Jahre nach dem Krieg eine Sichtweise zu zeigen, wie man mit der Verantwortung aus den Taten umgehen kann. Er schlägt mahnende, aber auch tröstende Töne an und weist von der Vergangenheit in die Zukunft. Wenn er von Befreiern redet, dann wahrscheinlich in der Hoffnung, dass die inzwischen gewachsenen Freundschaft zwischen Deutschland und den USA dadurch gefestigt wird. Man darf nicht vergessen, dass wir heute wieder 30 Jahre weiter entfernt sind vom Krieg. 1985 war Weizäcker zeitlich und damit gedanklich viel näher an den damaligen Geschehnissen dran. Er sah, welche enorme wirtschaftlich positive Entwicklung Deutschland dank den USA genommen hatte, aus einer ganz anderen Perspektive. Es war aus seiner Sicht nicht selbstverständlich, dass die ehemaligen Feinde Deutschland wieder in ihrer Mitte aufnahmen und sich ein Aufschwung vollzog, der Deutschland zu einem der wohlhabendsten Länder der Welt machte. Aus Feinden wurden Partner in der Nato. Dies war unglaublich und deshalb sah Weizäcker 40 Jahre nach dem Krieg auch sehr viel Positives und fasste die USA als Befreier auf. Nun- wieder 30 Jahre später analysiert Höcke nach Drohnenkrieg, NSA und Snowden diese Rede und sieht möglicherweise die USA sehr viel negativer. Das ist sein gutes Recht. Ich sehe aber nicht, dass die USA heute unsere Feinde wären. Auch Franzosen und Briten nicht. Das Weizäcker seine Rede gegen sein Volk richtete ist nicht richtig. Darum liegt Höcke der Beurteilung der Rede falsch. Sie war Wegweisend!
Höcke spricht von einem „Denkmal der Schande“ im Herzen der Deutschen Hauptstadt. Dieser Satz hat wohl am meisten für hohe Wellen in den Medien geführt. Ich habe davon zuerst in einem Artikel der WN gelesen, der von Thüringen24 übernommen wurde und von Jan-Henrik Wiebe stammt.
Dieser Artikel erfüllt alle Voraussetzungen für „Fake-News“. Er ist sehr reißerisch geschrieben und offenbart mehr über die Meinung des Schreibers als über die tatsächliche Meinung Höckes.
Zum Beispiel fällt dort ein Satz, der in Höckes Rede gar nicht auftaucht:
„Damit würde in Zukunft statt der Juden und anderer Verfolgter des NS-Regimes nur der deutschen Opfer gedacht“.
„Statt der Juden und anderer Verfolgter des NS-Regimes soll, wenn es nach Höcke geht, endlich der deutschen Opfer des Zweiten Weltkrieges gedacht werden.“
Und in diesem Stil ist der ganze Artikel geschrieben. Ich denke, dass dieser Artikel maßgeblich dafür verantwortlich war, dass der Teil mit dem „Denkmal der Schande“ so viel Aufmerksamkeit bekam. Die Stimmung war durch diesen Artikel in der Folge aufgeheizt und wurde von vielen Zeitungen übernommen.
Dabei kann man in der Rede deutlich hören, dass Höcke den exponierten Standort des Denkmals kritisiert und damit aufweisen möchte, dass bei der Erinnerung „die Schuld“ einen zu Großen Raum eingeräumt bekommt. Es geht ihm nicht darum, dass Denkmal selbst zu kritisieren und er nennt es selbst auch nicht „eine Schande“. Dies war ehrlich betrachtet ein durch den Artikel in Thüringen24 hervorgerufener Shitstorm.
Man kann Höcke sicherlich für Teile seiner Rede kritisieren, jedoch sollte man ihn nur für das kritisieren, was er auch wirklich gesagt hat!
Später erschien ein Artikel in den Wolfsburger Nachrichten, der sehr viel reifer und weniger tendenziös war. Es fanden sich darin immer noch genug Kritikpunkte an der Rede, aber diese wurden sachlich begründet.
3.) Ja. Wie schon mehrfach öffentlich erklärt, sind wir gegen jede Form von Extremismus. Rechten, wie auch linken Extremismus.

Sehr geehrte Frau XXX.
Ich möchte zum Schluss noch einmal feststellen, dass ich kein revanchistischer Typ bin.
Ich denke, dass es genug Probleme in der heutigen Zeit gibt, um die man sich kümmern sollte. Ich sehe auch die Aufgabe der AfD nicht darin, die deutsche Vergangenheit zu bewältigen. Ich bin daher eher Zukunftsorientiert und finde es daher auch kontraproduktiv, mit den Geschehnissen von über 70 Jahren polarisieren zu wollen. Das ist nicht meine Art. Ich verstehe aber durchaus, warum so viele Menschen nun wissen wollen, wie die „AfD vor Ort“ zu Höckes Rede steht. Darum versuche ich hier auch darauf einzugehen. Ich kann textlich nicht auf alle Facetten eingehen- das würde wohl den Rahmen sprengen.
Ich denke aber, dass rüber gekommen ist, dass ich Herrn Höcke für Teile seiner Rede durchaus kritisiere.
Ein Teil seiner Rede finde ich berechtigt und diskussionswürdig auch wenn mir der Stil mit dem er die Diskussion angestoßen hat, nicht gerade zusagt.
Es ist halt nicht nur wichtig, was man sagt, sondern gerade auch bei einem solchen Thema das, wie man es sagt.
Ich hoffe, ich konnte ihre Fragen hinreichend beantworten und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Schlick

Quellen:
http://www.thueringen24.de/.../Hoecke-haelt-Hetz-Rede-in...

https://www.youtube.com/watch?v=cGY80zpL1po